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Adèle Villiger

 

Widerständige Stimmarbeit

Stimme als Widerstand zwischen Resonanz, Macht, Anerkennung und der Frage nach dem Gehörtwerden

Studium: BA Prozessgestaltung am HyperWerk
Jahr: 2026



Diese Bachelorarbeit untersucht Stimme als künstlerisches, soziales und politisches Mittel im Spannungsfeld von Resonanz, Macht, Anerkennung und gesellschaftlicher Teilhabe. Ausgangspunkt ist das Diplomprojekt «Widerständige Stimmarbeit», das gemeinsam mit Catherine Claessen und Fiammina Ciatti am HyperWerk der HGK Basel entwickelt wurde.

Während das Diplomprojekt eine kollektive Forschungs- und Gestaltungspraxis in den Mittelpunkt stellt, fokussiert diese Arbeit die persönliche Perspektive der Autorin innerhalb des gemeinsamen Prozesses.

Im Zentrum steht die Frage, wie kollektive Stimmpraktiken Räume eröffnen können, in denen Machtverhältnisse sichtbar, reflektierbar und teilweise transformierbar werden. Die Arbeit verbindet Erfahrungen aus der Chor- und Stimmarbeit mit früheren Forschungen zu Integration, Restitution, kultureller Anerkennung und struktureller Ungleichheit. Dabei wird Integration nicht als einseitiger Anpassungsprozess verstanden, sondern als wechselseitige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wissensformen, kulturellen Prägungen und Erfahrungen.

Die Autorin reflektiert ihre Position als bikulturelle Person mit Wurzeln in Kamerun und der Schweiz und beschreibt, wie diese Perspektive ihren Blick auf Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Machtstrukturen geprägt hat. Im Verlauf der Untersuchung zeigt sich, dass Stimme weit über den musikalischen Ausdruck hinausgeht. Sie wird als Medium sozialer Positionierung verstanden, das sowohl Gemeinschaft und Verbundenheit erzeugen als auch Ausschlüsse und Hierarchien reproduzieren kann.

Der Chor erscheint dabei als ambivalenter Raum: Einerseits ermöglicht gemeinsames Singen, Sprechen und Bewegen Erfahrungen von Resonanz, Solidarität und kollektivem Handeln. Andererseits können dominante Stimmen andere übertönen und bestehende Machtverhältnisse bestärken.

Die Arbeit verbindet theoretische Reflexion mit künstlerischer Praxis und macht deutlich, dass Fragen des Gehörtwerdens eng mit gesellschaftlicher Anerkennung verbunden sind. Widerständige Stimmarbeit wird dabei als Praxis verstanden, die sensibilisiert, Sichtbarkeit schafft und neue Formen des Zuhörens eröffnen kann.

Die Untersuchung zeigt, dass kollektive Stimmpraktiken das Potenzial besitzen, soziale Dynamiken erfahrbar zu machen und alternative Formen von Teilhabe und Zusammenleben zu erproben.