Milo Matthias Schwager

Navis Maximus

Immer grösser, immer luxuriöser, immer dekadenter. Das war jahrelang die Devise des Kreuzfahrttourismus. Die Auftragsbücher der Werften waren voll, das Passagier*innen-aufkommen und die Gewinne der Branche stiegen von Jahr zu Jahr.1 Dann kam Covid-19 und mit dem Virus das Platzen der Blase. Die Kreuzfahrtschiffe stehen seit Wochen still und die Reedereien verbuchen grosse Verluste. Allmählich legen die ersten Luxusdamp-fer wieder ab, jedoch mit einer Auslastung von oftmals weniger als 50%.2 Es versteht sich von selbst, dass diese Reisen nicht rentabel sind und wohl mehrere Reedereien in die Insolvenz treiben wird. Das Format Kreuzfahrtschiff stellt sich durch die Epidemie als überholt und nicht mehr zeitgemäss heraus. Doch was passiert mit all jenen Schiffen, die zukünftig nicht mehr gebraucht werden? Während kleine Schiffe vermutlich an kleine Reedereien als Fährschiffe verkauft werden, werden andere an den Stränden Indiens und Bangladeshs abgewrackt.

Um die Navis Maximus vor der Verschrottung zu retten, wird sie zu einer Cruise Farm um-gebaut und vor der Wüstenstadt Dubai vor Anker gelegt. Auf dem Kreuzfahrtschiff wird die nicht mehr benötigte Infrastruktur zurückgebaut, an die Bevölkerung der Armenvier-tel gespendet und eine vertikale Farm errichtet. Dubai muss die Mehrheit ihrer frischen Lebensmittel mit dem Flugzeug importieren. Dank der Cruise Farm Navis Maximus ist es nun möglich, die dort lebende Bevölkerung mit lokalen, frischen und ressourcenschonend Nahrungsmitteln zu versorgen. Um die erforderte Energie nicht mit fossilen Brennstoffen zu produzieren, wird die Fassade mit Solarpanels bekleidet, auf dem Oberdeck Windkraft-werke installiert und am Rumpf Unterwasserkraftwerke angebracht. Von einem schmutzi-gen Verbraucher wandelt sich die Navis Maximus zu einer nachhaltigen Produzentin von Lebensmitteln und Energie und trägt so ihren Teil zur Ernährungs- und Energiesicherheit der Menschen von Dubai bei.