Lara Joanna Ponta

Baselbet

ein Workshop für und von Kindern zum Verständnis von Vorurteilen und Integration

Studium: Bachelor Innenarchitektur und Szenografie
Jahr: 2021
Mentor*innen: Andreas Wenger, Julia Taubert, Nicole Brünisholz-Müller

In der Primarschule Wylergut in Bern wurde dieses Jahr ein illustriertes Wandalphabet auf Grund rassistischer Abbildungen entfernt, um es in einen musealen Kontext zu transferieren. Laut der Projektkommission, welche für die Ortsverschiebung verantwortlich ist, würden Kinder solch komplexe Themen noch nicht richtig kontextualisieren können. In der Schule bleibt lediglich eine weiß gestrichene Wand zurück.

Nach eigenen Erfahrungen sind jedoch Kinder im Primarschulalter geistig viel weiter als es ihnen hier zugeschrieben wird. Sensibel in ihrer Wahrnehmung lernen gerade Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren soziale Unterschiede zu erkennen und einzuordnen. Sie lernen entsprechend der Vorbilder ihrer Umwelt, auf diese zu reagieren und die Konsequenzen ihres Handelns einzuschätzen.

Viele Kinder durchlaufen selbst beim Eintreten ins Schulhaus einen Wandel der domestischen Lebenskultur zum schulisch organisierten Alltag. Sie wechseln die sozialen Bezüge und Rollen in einer Gruppe und verändern oft auch die Art des Sprechens und ihr eigenes Handeln. Als Brückenschläger*innen vermitteln Kinder jeden Tag zwischen den heimischen Lebensrealitäten und ihren Eindrücken von der „Außenwelt“.

Wie nehmen unsere jungen Mitmenschen die Welt wahr, in der wir leben? Und wie verändert sich diese Wahrnehmung im Verlauf der Zeit? Welche Unterschiede gibt es in den verschiedenen Quartieren in der Stadt Basel?

Die Sensibilität und Vielfalt der Basler Kinder ist in diesem Projekt die treibende Kraft. Mit vorgängigen Bewusstseinsübungen zum Thema Vorurteile kommen die Kinder in den Prozess des gemeinsamen Gestaltens. In einer stadtweiten Kollaboration kreieren 26 Schulklassen je einen Buchstaben des Alphabetes. In den „Buchstabengefässen“ bringen die Kinder ihre Erinnerungen und Assoziationen gemeinsam in den kleinen Raum. Die Gestaltung der Buchstaben geht über eine rein phonografische Vermittlung hinaus und fördert so das multisensorische Denken und Kommunizieren der Kinder untereinander. Hier wird auch nicht von Erwachsenen diktiert, wie sie zu denken haben, oder wie eine gerechte Verteilung entsteht.

Um das Alphabet zusammen zu bringen, kommen die 26 Klassen in der Mitte der Stadt zusammen und erklären sich gegenseitig die Bedeutung ihres Buchstabens. Auf dem Marktplatz, einem Ort, an welchem seit Jahrhunderten Informationen, fremde und lokale Güter verbreitet werden, direkt neben dem Rathaus, in dem die politischen Entscheidungen der Stadt getroffen werden, tauschen sich nun auch die jüngsten der Gesellschaft aus.

Am Ende dieses Tages wird das wild durchmischte, farbenfrohe Alphabet an der Fassade des Rathauses aufgebaut. So gehen die Politiker*innen Tag ein Tag aus am Baselbet des Jahres vorbei und erfahren, was unsere jüngste Generation so bewegt und wie wir uns alle verändern. Und zurück lassen die Kinder eine bunte Wand voll ihrer Ideen.

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